Rohfütterung

Steak

Das Verfüttern von rohen Komponenten an Hunde und Katzen erfreut sich steigender Beliebtheit. Am bekanntesten scheint die Kostform nach Billinghurst B.A.R.F. (bone and raw food). Weitere Konzepte entstanden nach den Vorgaben von Volhard oder Schultze (Ultimate), zusätzlich gibt es Kombinationen aus einzelnen Elementen dieser Trends. Ohne Details darzustellen, ist es dennoch wichtig, einige Aspekte zu beachten:

  • Die propagierten Vorteile bei Futtermittelallergien oder anderen Erkrankung konnten in keiner Studie nachgewiesen werden.
  • Die Gefahr, wie bei jeder selbst konzipierten Ration, besteht in der mangelnden Ausgewogenheit.
  • Rohe tierische Produkte bergen ein erhebliches Infektionsrisiko, das nicht nur eine Gefahr für den Hund, sondern auch für sein Umfeld darstellt.
  • Rohes Getreide und z. T. Gemüse und Obst sind im rohen Zustand schwer verdaulich.
  • Rohes Ei, rohe Hülsenfrüchte und andere pflanzliche Produkte enthalten unerwünschte, antinutritive und zum Teil auch toxische Substanzen, die erst durch eine Wärmebehandlung unschädlich gemacht werden können.

In veterinärmedizinischen Fachzeitschriften wurde dieses Thema lange nicht beachtet, weil es sich außerhalb der wissenschaftlichen Relevanz bewegt. Wären Heilerfolge irgendwelcher Art beobachtet worden, die mit dieser Kostform in Zusammenhang gebracht werden konnten, wäre das Thema aufgetaucht und diskutiert worden und schließlich hätte es eine Studie über diese "Therapieform" gegeben.
Die Rohfütterung wird nun schließlich doch diskutiert, weil sie erhebliche gesundheitliche Risiken birgt. Es gibt sicherlich Veterinäre, die Tierhalter diesbezüglich unterstützen und beraten, die Mehrzahl allerdings befindet diese Art der Ernährung als bedenklich.
Es gibt auch Berichte über eine erhöhte Welpensterblichkeit auf Grund von Magen-Darm-Infekten in Windhundezwingern. Renn- und Schlittenhunde aus dem Leistungssportsektor werden sehr häufig mit rohem Fleisch gefüttert. Ein nicht zu unterschätzender Faktor sind in großen Zwingeranlagen Fliegen, die Futtermittel kontaminieren können und andere Tiere infizieren.

Nicht ausgewogen

Eine Studie hat sich exemplarisch mit drei hausgemachten und zwei kommerziellen Produkten beschäftigt. Die Analyseergebnisse bezüglich Makro- und Mikronährstoffe wurden mit den Standards der Association of American Feed Control (AAFCO) verglichen. Ohne auf jeden einzelnen Faktor in diesem ohnehin geringen Probenkollektiv einzugehen, lässt sich zusammenfassend sagen: die Rationen waren bezüglich des Nährstoffgehaltes unausgewogen und zum Teil von bedenklicher mikrobiologischer Beschaffenheit.

Gesundheitsrisiko für Mensch und Tier

Pute

Ein weiterer Artikel befasst sich mit den gesundheitlichen Risiken, die von Hunden, die mit rohem Fleisch gefüttert werden, ausgehen:
 
  Salmonelleninfektionen bei diesen Hunden sind bereits vorgekommen, wie viele Tiere allerdings unentdeckte Überträger dieser Bakterien sind, ist nicht bekannt. Dass klinisch unauffällige Tiere, die salmonellenkontaminiertes Fleisch aufgenommen haben, den Keim Tage danach noch ausscheiden wurde in einer Studie nachgewiesen. Salmonelleninfektionen beim Menschen sind meldepflichtig, die unserer Tiere werden aus Kostengründen meistens nicht nachgewiesen! Selbiges gilt für Campylobacter spp., die genau wie Salmonella spp. hauptsächlich auf rohem Puten- und Hühnerfleisch (auch TK-Produkte) zu finden sind.
In einer nicht signifikanten Untersuchung roher Hühnerfleisch-Rationen konnten 80 % als salmonella-positiv identifiziert werden. 30 % der Kotproben waren ebenfalls positiv.
Auch Campylobacter spp. werden von medizinisch unauffälligen Hunden ausgeschieden. Hunde und Katzen im Haushalt gelten ganz allgemein als Risikofaktor für Campylobacteriosen, genau wie die Verarbeitung rohen Geflügelfleischs in der Küche und Barbecues. Weitere Erreger gastrointestinaler Infektionen wie E. coli und Yersinia enterocolitica führten zu Erkrankungen bei Hunden und Katzen. Y. enterocolitica, die humanpathogen sind, wurden von Haustieren auf Menschen übertragen. Gesunde Tiere und Tiere, die eine Infektion durchgemacht haben, scheiden diesen Erreger aus. Es wurde ein eindeutiger Zusammenhang zwischen dem Verfüttern rohen Schweinefleischs an Haustiere und dem Vorkommen des Erregers im Kot von Haustieren erbracht! Haustiere werden als Bindeglied in der Übertragung vom Schwein auf Kinder vermutet.
Clostridium perfringens-Infektionen kommen auch bei Hunden vor und sind neben Listeria monocytogenes bereits aktenkundig. Letzterer Keim kann auch zu Aborten und Frühgeborenenlisteriose beim Menschen führen. In diesem Zusammenhang sei auch Toxoplasma gondii erwähnt, mit dem man sich nicht nur durch Katzen, sondern auch durch rohes Fleisch infizieren kann. Bei einer Erstinfektion schwangerer Frauen kann es zu Früh- oder Todgeburten oder Missbildungen beim ungeborenen Kind kommen. Gefährdete Personengruppen werden dahingehend geschult, Katzen kein rohes Fleisch zu füttern und auch selbst nur durchgegartes Fleisch zu verzehren. Da die Oozysten von T. gondii im Kot durch Schuhe, Bekleidung, Wind, Wasser, bei der Gartenarbeit und diverse andere Wege transportiert werden, können auch haushaltsfremde Tiere zur Gefährdung werden. In einer Studie wurden 62 % der seropositiven Hunde mit rohem Fleisch gefüttert.

Fische
Bei unsachgemäßer Lagerung der Rationen können Staphylococcus aureus und Bacillus cereus zum Problem werden.
Der Erreger der Pseudowut (Aujeszky'sche Krankheit) kommt vorwiegend in Schweinen vor und führt unweigerlich zum Tod infizierter Hunde oder Katzen.
Die Tollwut kann möglicherweise ebenfalls durch orale Aufnahme übertragen werden und stellt somit erhebliches Risiko für den Tierhalter dar.
Seitdem aus Asien der Trend roher Fischgerichte um die Welt geht, steigt die Infektionsrate mit fischtypischen Erregern außerhalb Asiens dramatisch an. Nicht nur Menschen, sondern auch fischfressende Säugetiere sind mit diesen Trematoden infiziert.


Einige dieser erwähnten Krankheitserreger sind relativ selten, eine Infektion ist deshalb aber nicht auszuschließen.
Diese Liste kann unendlich fortgeführt werden und um Einzeller, Nemathoden und anderen "Parasiten" ergänzt werden. Je nach regionaler Herkunft sind unterschiedliche Krankheitserreger häufiger oder seltener anzutreffen. Es hilft nicht, auf Fleisch anderer Tierarten zurückzugreifen, denn auch andere Tiere, Wildtiere und Fische sind von Kontaminanten betroffen. Ein sicheres Verfahren, Fleisch für den Verzehr unschädlich zu machen, bleibt das Erhitzen, das auch zur Zerstörung von Bakterientoxinen führt.
Einige Infektionen können sich Haustiere sicherlich auch in der Umwelt zuziehen, dennoch bedeutet das Verfüttern von rohem Fleisch eine Potenzierung des Risikos für Mensch, Haustier und Nutztierbestände. Bei Tierärzten sei besonders an ihre Verantwortung für die Volksgesundheit appeliert.
"As long as pets eat in our kitchen, sleep in our beds, and lick our children's faces, no amount of client education will obviate the fact that feeding foods that can harbor potentially pathogenic bacteria carries the risk of zoonitic spread of these organism."
Daniel Joffe, Doktor der Veterinärmedizin, USA in Can Vet J 44: 783-784, 2003.

Antinutritiv, toxisch, schwer verdaulich

Nachfolgend einige Futtermittel, deren Nährwert in gekochter Form nicht unterschätzt werden sollte, die aber im rohen Zustand einige Gefahren und/oder Probleme bergen:
 

Muschel
  • Eier: Trypsininhibitoren behindern Eiweißverdauung, Glycoprotein Avindin bindet Biotin, Salmonellen, nicht denaturiertes Eiweiß schlechter verdaulich
  • Fisch, Schalentiere: teilweise thiaminasehaltig, können Vitamin B1-Mangel hervorrufen, Trimethylamin bindet Eisen (Anämiegefahr), Parasiten, Bakterien
  • Knochen und Fleisch: Infektionsrisiko
  • Getreide: Stärke im unverkleisterten Zustand schwer verdaulich
  • Hülsenfrüchte: Phasin (Hämaglutinin), Proteaseinhibitoren behindern Eiweißverdauung
  • Kartoffel, Kohl: schwer verdauliche Stärke
  • Mandeln, Leinsamen: Blausäurehaltige Glykoside
  • Bananen: schlechte Verdaulichkeit der rohen Stärke
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